Hauskatze - Teil 4: Haltung
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00:00:00: Hauskatze, Teil vier.
00:00:03: Haltung Die Haltung von Katzen als Haustiere ist weltweit verbreitet und variiert je nach Region, Umfeld und Mensch-Tierbeziehung.
00:00:14: Dennoch lassen sich einige allgemeine Merkmale und Erkenntnisse feststellen.
00:00:21: Ernährung Katzen sind ausgesprochene Fleischfresser.
00:00:26: In freier Wildbahn erlegen sie hauptsächlich kleine Säugetiere und Vögel.
00:00:32: Je nach Beuteangebot fressen sie in geringerer Menge auch Insekten, Fische, Amphibien oder Reptilien.
00:00:40: Eine rein pflanzliche Ernährung gilt als riskant, weil leicht ein Mangel an wichtigen Nährstoffen entsteht.
00:00:49: Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zu vegetarischer oder veganer Katzenernährung.
00:00:56: Eine Studie aus dem Jahr nineteenhundertneun und neunzig zeigte, mit Zusatzstoffen lässt sich der Bedarf theoretisch decken.
00:01:06: Doch in der Praxis erhielten keine der acht untersuchten Katzen alle nötigen Nährstoffe.
00:01:13: Die verantwortliche Tierärztin bestätigte dieses Ergebnis im Jahr two-tausend-vierzehn erneut.
00:01:21: Eine weitere Arbeit aus dem Jahr two-tausend-einundzwanzig analysierte fünfundzwanzig vegetarische oder vegane Futtermischungen.
00:01:31: Weder die Zahl der Zutaten Noch der Einsatz von Ergänzungen garantierten eine ausgewogene Versorgung.
00:01:40: In einer Fallstudie erholten sich zwei Katzen mit Appetitlosigkeit, Muskelschwund und Gewichtsverlust erst, nachdem tierische Bestandteile wieder auf dem Speiseplan standen.
00:01:54: Untersuchungen belegen außerdem, Katzen benötigen keine pflanzlichen Nährstoffe wie Kohlenhydrate oder Zucker.
00:02:04: Ein geringer Anteil davon schadet jedoch nicht nachweislich.
00:02:08: Die viel zitierte Behauptung, Kohlenhydrate in Fertigfutter verursachten Fettleibigkeit, Diabetes oder Zahnerkrankungen wurde bisher nicht bestätigt.
00:02:22: Ein sehr hoher Kohlenhydratgehalt bleibt trotzdem problematisch, weil dann lebenswichtige Aminosäuren aus Fleisch ersetzt, oder künstlich zugesetzt werden müssen.
00:02:35: Seit Mitte der zweitausender Jahre hält sich die Annahme, Katzen könnten grundsätzlich kein Getreide verdauen.
00:02:45: Belege dafür fehlen ebenso wie Belege für angeblich getreidebedingte Erkrankungen.
00:02:51: Umgekehrt existieren noch keine Langzeitstudien zur ausschließlichen Fleischfütterung.
00:02:59: Trotzdem steigt die Nachfrage nach getreidefreiem Futter.
00:03:04: Angesichts der höheren Lebenserwartung vieler Hauskatzen, die überwiegend getreidehaltiges Fertigfutter erhalten und gesund bleiben, erscheint eine pauschale Getreideunverträglichkeit zweifelhaft.
00:03:19: Getreide umfasst hunderte Sorten, sodass sich kaum allgemeine Aussagen treffen lassen.
00:03:26: Einzelne Katzen können jedoch sehr wohl gegen bestimmte Getreidearten oder andere Futtermittel allergisch sein.
00:03:36: Fertigfutter hat in den vergangenen Jahren entscheidend zur längeren Lebensdauer der Tiere beigetragen.
00:03:43: Dem Futter werden essentielle Stoffe wie Taurin, Arginin, Lysin, Methionin, Zystein und Nikotinsäure zugesetzt, die in Küchenresten meist fehlen.
00:03:57: Krankheiten wie die dilatative Kardiomyopathie treten deshalb selten auf.
00:04:04: Dennoch birgt alleinige Fertigfuttergabe Risiken.
00:04:08: Studien zeigen ein etwa zweieinhalb bis fünffach höheres Risiko für Schilddrüsen über Funktion.
00:04:15: Möglicherweise wegen Zusätzen wie Soja, Isoflavonen oder Talaten.
00:04:23: Immer beliebter wird das biologische, artgerechte rohe Futter.
00:04:28: Kurz, bar.
00:04:30: Katzen erhalten dabei rohes Fleisch, oft Rind oder Geflügel.
00:04:36: Diese Fütterung befriedigt auch das natürliche Beutefangverhalten.
00:04:41: Allerdings verlangt sie Wissen über ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis und mehr Aufwand bei Einkauf und Zubereitung.
00:04:50: Viele Halter wählen daher einen Mittelweg.
00:04:53: Sie füttern überwiegend Fertigfutter und ergänzen es gelegentlich mit rohen Fleischmalzeiten ohne Zusatzstoffe.
00:05:01: Da die Hauskatze von der afrikanischen Falpkatze abstammt, Deckt sie ihren Wasserbedarf in freier Natur, größtenteils über ihre Beutetiere.
00:05:13: Ihr Durstgefühl ist deshalb schwach.
00:05:17: Nassfutter kommt dem natürlichen Feuchtigkeitsgehalt nahe.
00:05:21: Frisches Trinkwasser sollte trotzdem ständig verfügbar sein.
00:05:26: Bei Trockenfutter trinken Katzen zwar mehr, meist aber nicht genug, was Nieren- und Harnwegserkrankungen begünstigen kann.
00:05:35: Von ausschließlicher Trockenfütterung ist daher abzuraten.
00:05:41: Freilebende Katzen trinken selten dort, wo sie fressen.
00:05:45: Hauskatzen zeigen dieses Verhalten weiterhin.
00:05:49: Ein Wassergefäß gehört daher an einen anderen Platz als der Futternapf.
00:05:56: Die meisten erwachsenen Katzen vertragen keine Kuhmilch.
00:06:00: Nach dem Absetzen der Muttermilch nimmt die Produktion des Enzyms Laktase ab.
00:06:07: dass den Milchzucker spaltet.
00:06:09: Folgen sind Verdauungsstörungen und Durchfall.
00:06:12: Wird jedoch ohne Unterbrechung Milch angeboten, bleibt die Laktasebildung oft bestehen.
00:06:20: Darum vertragen Bauernhofkatzen, die regelmäßig Milch erhalten, diese meist besser als Stadt- oder Wohnungskatzen.
00:06:30: Katzen ohne Freigang.
00:06:33: Eine Wohnungskatze, die allein lebt, kann sich nach einiger Zeit langweilen.
00:06:39: Besonders, wenn der Kontakt zu Menschen gering ist.
00:06:43: Aus Langeweile entstehen oft unerwünschte Verhaltensweisen.
00:06:47: Teilt sie ihr Revier mit einer zweiten Katze, kann sie spielen, toben und sich artgerecht verhalten.
00:06:56: In der Wohnung fehlt jedoch vieles, was draußen selbstverständlich ist.
00:07:02: Lebende Beute, Bäume zum Klettern und neue Orte zum Erkunden.
00:07:08: Sind Halterinnen oder Halter häufig außer Haus, sollten deshalb mindestens zwei Katzen zusammenleben.
00:07:16: Eine Katze, die früher Freigang hatte und nun nur noch in der Wohnung bleibt, gewöhnt sich fast nie an die Enge und sucht häufig nach einem Weg nach draußen, auch wenn dabei Gefahren drohen.
00:07:32: Die Wohnungshaltung bietet jedoch einige Vorteile.
00:07:37: Katzen werden nicht von Autos erfasst, Nehmen keine Pestizide aus landwirtschaftlichen Flächen auf, werden nicht von Jägern erlegt und seltener von anderen Tieren wie Hunden oder Mardern verletzt.
00:07:52: Ansteckende Krankheiten treten seltener auf und auch Parasiten sind in der Wohnung kaum ein Problem.
00:08:01: Darum erreichen Wohnungskatzen im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung als Freigänger.
00:08:07: Beim Putzen des Fels verschluckt eine Wohnungskatze mehr Haare, weil sie diese nicht an Sträuchern abstreifen kann.
00:08:15: Katzengras hilft ihr, die Haare wieder auszuwirken.
00:08:20: Alternativ können malzhaltige Ergänzungsfuttermittel die Haarballen im Verdauungstrakt binden und ihren Abgang über den Darm erleichtern.
00:08:31: Leben mehrere Katzen zusammen sollte auch für jede ein eigenes Katzenklo bereitstehen.
00:08:38: wird das Klo nicht regelmäßig gereinigt, meiden viele Tiere es, treten Veränderungen wie Durchfall oder Blut im Kot auf, ist besondere Aufmerksamkeit nötig.
00:08:51: Ein stabiler Kratzbaum, idealerweise vom Boden bis zur Decke, bewahrt Polster, Tapeten und Möbel vor Krallenspuren.
00:09:02: Er bietet außerdem einen hohen Aussichtspunkt, an dem sich Katzen sicher fühlen.
00:09:08: Bälle, Kartons und andere Spielzeuge sorgen für Abwechslung und ermöglichen es den Tieren, ihren Jagd- und Spieltrieb auszuleben.
00:09:18: Ältere Fachbücher warnten vor einem Vitamin D-Mangel durch fehlende Sonne in der Wohnung.
00:09:24: Diese Sorge gilt heute als unbegründet.
00:09:28: Katzen bilden Vitamin D nicht in der Haut.
00:09:31: Sie nehmen es vollständig über die Nahrung auf.
00:09:36: Ein gesicherter Garten kann einen guten Mittelweg zwischen freiem Auslauf und reiner Wohnungshaltung bieten.
00:09:45: Gefahren für Katzen.
00:09:48: Viele Stoffe, die Menschen gut vertragen, sind für Katzen giftig oder zumindest schlecht.
00:09:53: Dazu zählen Essig- und Zitronensäure.
00:09:58: Auch Schokolade, Kaffee, Zwiebeln, Trauben, Äpfel, Aprikosen und das Schmerzmittelparazitamol sind gefährlich.
00:10:07: Katzen fressen manchmal Blätter, um Haarballen loszuwerden.
00:10:10: Viele Zimmerpflanzen schaden ihnen dabei stark.
00:10:14: Zu den besonders Giftigen gehören Diefenbachie, Efeu, Christusdorn, Weihnachtsstern, Amaryllis, Alpenfeilchen, Begonie, verschiedene Kaktänen, Buchsbaum und Oleander.
00:10:31: Selbst Schalen mit Katzengras oder Zypergras halten eine neugierige Katze oft nicht von anderen Pflanzen fern.
00:10:39: Draußen warten zusätzliche Risiken.
00:10:42: Autos, Hunde, Füchse oder andere Katzen können angreifen oder verletzen.
00:10:48: Krankheiten und Fallen bedrohen das Tier ebenfalls.
00:10:55: Jede Katze besitzt angeborene Jagdinstinkte.
00:11:00: In der freien Natur sichert ein effizientes Jagdverhalten ihr Überleben.
00:11:04: Ein Teil dieses Verhaltens ist bereits in ihr verankert.
00:11:08: Den anderen Teil muss sie erst lernen.
00:11:11: Bei jungen Hauskatzen übernimmt der Spieltrieb diese Aufgabe.
00:11:17: In der Wohnung greifen sie zu Spielzeug- oder Alltagsgegenständen.
00:11:22: So üben sie wichtige Jagdfähigkeiten.
00:11:25: Das Spiel hilft außerdem, Jagdspannung abzubauen und den Instinkt zu befriedigen.
00:11:33: Besonders junge Tiere toben gern mit Wolkneulen.
00:11:36: Ein einfacher Faden oder ein Seil kann für sie ebenfalls unwiderstehlich sein.
00:11:42: Kastration und Sterilisation.
00:11:47: Grundsätzlich werden von wenigen Ausnahmen bei Zuchtkatzen abgesehen, sowohl kater als auch Katzen kastriert.
00:11:55: Dabei entfernt die Tierärztin oder der Tierarzt die Hoden bzw.
00:12:00: die Eierstöcke.
00:12:02: Viele Fachleute betrachten diesen Eingriff als wichtigen Beitrag zum Tierschutz.
00:12:08: weil so das Leid einer großen Zahl nicht versorgter Tiere verhindert wird.
00:12:13: Bei Katern mindert die Kastration in ungefähr neunzig Prozent der Fälle den Drang, ihr Revier mit Urin zu markieren.
00:12:23: Bei Katzen unterbindet sie die Rolligkeit.
00:12:27: Als vielversprechende, nicht operative Methode zur Unfruchtbarmachung von Katern wird derzeit die Injektion von Calciumchlorid direkt in den Hoden untersucht.
00:12:40: Erste Studien zeigen auch bei Hunden gute Ergebnisse.
00:12:45: Eine selten genutzte Alternative zur Kastration ist die Sterilisation, bei der lediglich Samenleiter oder Eileiter durchtrennt werden.
00:12:57: Das Verhalten des Tieres bleibt unverändert, eine Fortpflanzung ist jedoch nicht mehr möglich.
00:13:04: Aus verhaltensbiologischer Sicht wäre diese Lösung wünschenswert.
00:13:08: stellt jedoch hohe Anforderungen an die Haltung.
00:13:12: Eine sterilisierte Katze braucht freien Auslauf, verständnisvolle Nachbarn, wenig Straßenverkehr in der Umgebung und mindestens einen ebenfalls sterilisierten Partner, um Revierkämpfe zu vermeiden.
00:13:29: Da die hormonell bedingten Verhaltensweisen erhalten bleiben, kann das Zusammenleben mit Menschen schwierig sein.
00:13:37: Für Katzen ohne Freigang ist die Sterilisation keine geeignete Option.
00:13:44: Bleibt der Deckakt aus, erfolgt kein Eisprung.
00:13:49: Häufig entsteht dann eine Dauerrolligkeit, die wiederum Züsten an den Eierstöcken begünstigt.
00:13:57: Rechtliches.
00:13:59: Hauskatzen zählen weltweit zu den beliebtesten Heimtieren.
00:14:04: Daher befassen sich viele Gesetze mit ihrer Haltung, ihrer Zucht und ihrer Rolle in der Natur.
00:14:12: In Deutschland, Österreich und der Schweiz schützt das Tierschutzrecht alle Tiere und damit auch die Hauskatze.
00:14:21: Das Bundesjagdgesetz behandelt den Umgang mit streunenden oder wildernen Katzen.
00:14:28: Wie für Hunde und Frettchen können Halterinnen und Halter für ihre Katzen einen Heimtierausweis der Europäischen Union erhalten.
00:14:37: Darin vermerkt die Tierärztin oder der Tierarzt etwaige Impfungen, Was Reisen erleichtert.
00:14:45: Ein unter die Haut gesetzter Mikrochip macht jede Katze eindeutig erkennbar.
00:14:52: Paderborn war die erste deutsche Gemeinde, die eine Kastrationspflicht für Freigänger ab dem fünften Lebensmonat sowie für von Menschen gefütterte Sträune einführte.
00:15:04: Ziel ist es, die Zahl herrenloser Katzen zu senken.
00:15:09: Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt dieses Paderborner-Modell.
00:15:15: Inzwischen gilt eine Kastrationspflicht für Freigänger in eine Tausendreihundertsechsundvierzig Kommunen.
00:15:23: Eine Übersicht bietet die Organisation TASSO.
00:15:27: Der Rat der Stadt Düsseldorf lehnte eine ähnliche Pflicht ab.
00:15:33: Das Ordnungsamt sah keine Belege für eine Gefahr ohne Kastrationsgebot.
00:15:39: und hielt eine Kontrolle für kaum durchführbar.
00:15:42: Eine Befragung deutscher Städte mit mehr als fünfhunderttausend Einwohnern ergab, dass keine von ihnen eine Kastrationspflicht eingeführt hatte, obwohl die meisten das Thema diskutierten.
00:15:58: Die Interessensgemeinschaft pro Katzenschutzverordnung beendete ihre Kampagne im Jahr zehntausend elf ohne Ergebnis.
00:16:08: Nach eigenen Angaben gehörten ihr damals rund sechzigtausend Einzelmitglieder und dreitausend Vereine an.
00:16:17: Da die Pflicht nur für Katzen mit Halterinnen oder Haltern gilt, setzen sich Tierschutzorganisationen dafür ein, auch herrenlose Tiere zu kastrieren.
00:16:28: Die Methode einfangen, kastrieren und freilassen gilt als wirksam, um die Population verwilderter Hauskatzen einzudämmen.
00:16:39: Der Deutsche Tierschutzbund fordert inzwischen eine bundesweite Kennzeichnungs-, Kastrations- und Registrierungspflicht für Katzen mit Freigang.
00:16:50: Das würde die Zahl verwilderter Tiere verringern, gesundheitliche und ökologische Probleme mindern und die Lage in vielen Tierheimen entspannen.
00:17:01: Ertenschutz.
00:17:03: In Husaweeg, einer Stadt an der Nordküste Islans, dürfen Katzen nicht frei herumlaufen.
00:17:11: Wer wiederholt dagegen verstößt, muss mit einer Strafe von bis zu zehntausend Kronen rechnen.
00:17:19: Seit Januar, zwei tausendfünfundzwanzig sind frei laufende Katzen auch in Akureiri, einer größeren Stadt in derselben Region, verboten.
00:17:30: Im neuseeländischen Dorf Omaoi in der Region Inwakargil Planten die Behörden die Einrichtung einer katzenfreien Zone.
00:17:40: In Waldorf, einer Stadt in der Region Baden-Württemberg, gilt zum Schutz der Haubenlärche eine Ausgangssperre für Hauskatzen.
00:17:51: Sie dauert vom ersten April bis zum einund dreißigsten August.
00:17:57: Ökologie.
00:17:59: Hauskatzen profitieren stark von der Fürsorge durch Menschen.
00:18:04: Darum überleben sie deutlich besser als wild lebende Beutegreifer.
00:18:10: Ihre Anzahl übertrifft die dieser wilden Jäger klar.
00:18:15: In der Schweiz leben ungefähr zehnmal so viele Hauskatzen wie Füchse.
00:18:21: Viele Katzen streifen zeitweise frei umher.
00:18:25: Hinzu kommen halbwilde Gruppen.
00:18:28: Gemeinsam üben sie spürbaren Einfluss auf natürliche Ökosysteme aus.
00:18:35: In Deutschland geht man von bis zu zwei Millionen verwilderten Hauskatzen aus.
00:18:40: Doch dieser Wert ist nicht gesichert.
00:18:45: Die Tiere können heimische Arten verdrängen, deren Bestände gefährden und vermutlich sogar zum Aussterben einzelner endemischer Arten weltweit beitragen.
00:18:56: Außerdem kommt es gelegentlich zu Kreuzungen mit europäischen Wildkatzen und in Afrika mit Falpkatzen.
00:19:05: Hauskatzen und Wildkatzen.
00:19:08: In Gebieten, in denen die europäische Wildkatze lebt, können sich die Tiere mit Hauskatzen kreuzen.
00:19:16: Fachleute sprechen dabei von Hybridisierung.
00:19:20: Naturschützer sehen diese Vermischung kritisch, weil sie das Überleben der ursprünglichen Wildkatzen gefährden könnte.
00:19:28: Deshalb wird in manchen Regionen über ein Haltungsverbot für Hauskatzen diskutiert.
00:19:35: Auch eine Sterilisation oder sogar eine Bejagung steht zur Debatte.
00:19:41: Forschende haben bisher jedoch keine genetischen Veränderungen nachgewiesen, die den Tieren unmittelbar schaden.
00:19:50: Verwilderte Hauskatzen bergen außerdem ein weiteres Risiko.
00:19:55: Sie übertragen Krankheiten, die ursprünglich nur bei Haustieren vorkommen.
00:20:00: Zusammen mit der Hybridisierung entsteht so eine ernsthafte Bedrohung für ganze Wildkatzenbestände.
00:20:07: Wirkung auf Beutetiere.
00:20:10: Weltweit ist gut belegt, dass Hauskatzen kleinere Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien in großer Zahl jagen.
00:20:20: Auf der neuseeländischen Insel Stevens Island führte dies sogar zum Aussterben des Steven-Schlüpfers Traversia Lyali.
00:20:28: Kritiker verweisen darauf, dass auf großen Landmassen bisher keine Vogelart eindeutig durch Katzen ausgerottet wurde.
00:20:37: Dabei wird übersehen, dass Katzen lokale Vogelbestände sehr wohl vorübergehend auslöschen können.
00:20:44: In vielen Untersuchungen bilden Vögel nach Kleinsäugern wie Mäusen den zweitgrößten Anteil der Beute.
00:20:53: Selbst vorsichtige Schätzungen für Nordamerika stufen die Predation durch Hauskatzen als einen der wichtigsten von Menschen verursachten Einflüsse auf die Sterberate kleiner Tiere ein.
00:21:08: In Städten und anderen Gebieten mit starkem Jagdruck können sich manche Vogelarten nur halten, weil ständig neue Tiere zuwandern.
00:21:18: Ein endgültiger Beweis, dass Katzen Vogelarten über lokale Bestände hinausgefährden, fehlt bislang.
00:21:27: Dennoch beeinflussen Katzen die Gesamtzahlen vieler Arten.
00:21:31: Wer das bestreitet, ignoriert die Ergebnisse zahlreicher Studien.
00:21:37: Die größte Bedrohung für Vögel bleibt jedoch die fortschreitende Zerstörung ihrer Lebensräume.
00:21:45: Eine Auswertung von fünfzig Jahren Beobachtungen aus vier Kontinenten ergab, dass streunende Katzen vor allem kleine Säugetiere erbeuten.
00:21:57: Rund siebzig Prozent der Beute bestehen aus diesen Tieren, etwa zwanzig Prozent aus Vögeln.
00:22:05: Forschende um Los schätzen, Das frei laufende Katzen in den Vereinigten Staaten von Amerika jedes Jahr zwischen ungefähr einer und vier Milliarden Vögel töten.
00:22:17: Für Säugetiere liegt die angenommene Zahl noch deutlich höher und erreicht einen zweistelligen Milliardenbereich.
00:22:26: Die meisten dieser Opfer gehen auf das Konto herrenloser Tiere.
00:22:32: Eine Untersuchung der Universität Rostock aus dem Jahr zählte die Hauskatze zu den bedeutendsten schadenverursachenden gebietsfremden Tierarten in Deutschland und bewertete ihr Gefahrenpotenzial als sehr hoch.
00:22:51: Auch Aufnahmen von Fotofallen liefern Einblicke in das Jagdverhalten.
00:22:57: Im Schweizer Jura wurden nachts zahlreiche Katzen fotografiert.
00:23:02: Oft einige hundert Meter von den nächsten Häusern entfernt.
00:23:06: Offenbar vergrößern Katzen ihr Streifgebiet in ländlichen Regionen während der Nacht stärker, als sie es am Tag in Städten tun.
00:23:15: Viele Tiere trugen Halsbänder und wurden daher vermutlich regelmäßig gefüttert.
00:23:22: Ihr Ausflug in den Wald lässt sich eher mit Jagdtrieb als mit Hunger erklären.
00:23:28: Neben Mäusen zeigen andere Studien, dass Katzen auch Jungkaninchen, Vögel, Reptilien, Amphibien, und Insekten erbeuten.
00:23:39: Wirkung auf Beutetiere auf Inseln und in Australien.
00:23:45: In vielen Inselökosystemen und sogar auf großen Landmassen wie dem australischen Kontinent gefährdet die Hauskatze die dortige Tierwelt.
00:23:55: Vor ihrer Ankunft gab es dort keine ähnlich jagenden heimischen Raubtiere.
00:24:00: Den Beutetieren fehlen daher natürliche Abwehrstrategien.
00:24:06: Studien zeigen, dass Hauskatzenpopulationsrückgänge zahlreicher, zum Teil nur dort vorkommende Arten auslösen oder bereits zum Aussterben geführt haben.
00:24:18: Auf Inseln lässt sich dieser Zusammenhang besonders deutlich erkennen.
00:24:23: Ein Beispiel liefert Neuseeland.
00:24:26: Flugunfähige Vögel verschwanden dort, nachdem eingeschleppte Ratten und verwilderte Hauskatzen auftauchten.
00:24:35: Der Stephenschlüpfer auf Stevens Island ist ein bekanntes Opfer.
00:24:40: Die Art wurde firstmals beschrieben und war schon ausgestorben.
00:24:50: Auslöser war eine trächtige Katze, die ein Leuchtturmwerter auf die Insel gebracht hatte.
00:25:00: Auch der ebenfalls flugunfähige Kiwi ist heute stark gefährdet.
00:25:05: In Westaustralien gingen die Bestände des Rotschwans Rabenkakadus, des goldenen Kurznasenbeutlers und des Lesueur Bürstenkängurus deutlich zurück.
00:25:17: Versuche diese Tiere wieder anzusiedeln, scheiterten ebenfalls oft an verwilderten Hauskatzen.
00:25:25: Ähnliche Forschungsergebnisse kommen aus Neuseeland, Polinesien und mehreren karibischen Inseln.
00:25:33: Die International Union for Conservation of Nature führt die Hauskatze deshalb in ihrer Liste der einhundert weltweit schlimmsten invasiven Arten.
00:25:46: Abhilfe-Maßnahmen.
00:25:49: Eine Untersuchung zeigt, dass Hauskatzen weniger Beutetiere nach Hause bringen, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind.
00:25:57: Erstens erhalten sie überwiegend fleischhaltiges, getreidefreies Futter.
00:26:03: Dadurch sank die Zahl der mitgebrachten Tiere um ungefähr sechsunddreißig Prozent.
00:26:10: Zweitens spielen Menschen täglich mit den Katzen.
00:26:15: Durch dieses Spiel verringerte sich die Beutezahl um etwa fünfundzwanzig Prozent.
00:26:22: Forschende schlossen daraus, dass insgesamt auch weniger Tiere erlegt werden.
00:26:29: Um den Jagderfolg zusätzlich zu mindern, empfahlen manche Anbieter Halsbänder mit kleinen Glöckchen.
00:26:38: Das Klingeln sollte mögliche Opfer früh warnen.
00:26:42: Bei Vögeln zeigte sich jedoch kaum Wirkung.
00:26:46: Gleichzeitig empfanden viele Katzen das Geräusch als störend.
00:26:52: Deutlich besser wirkten bunte Halstücher, besonders rote und regenbogenfarbene Varianten.
00:27:00: Sie verringerten den Jagderfolg bei Vögeln spürbar, ohne die meisten Katzen zu belasten.
00:27:08: Bei Säugetieren blieben die Tücher hingegen weniger wirksam, weil diese Tiere sich nicht so stark am Seesinn orientieren.
00:27:17: In den meisten deutschen Bundesländern dürfen wildernde Hauskatzen unter dem Jagdschutz getötet werden.
00:27:26: Grundlage ist Paragraf XXIII des Bundesjagdgesetzes.
00:27:32: Die Durchführung übernehmen jagtberechtigte Personen oder bestätigte Jagdaufseher.
00:27:40: Im Jagdjahr, zwei Tausend vierzehn bis zwei Tausend fünfzehn meldete Nordrhein-Westfalen achttausend sechshundert sieben getötete Katzen.
00:27:51: Davon eintausend zweihundertdreiundsechzig als Fallwild.
00:27:56: Hessen verzeichnete im selben Zeitraum vierhundertundzwanzig erlegte Katzen.
00:28:04: Mitte zwei Tausend fünfzehn änderte Nordrhein-Westfalen sein Landesjagdrecht.
00:28:10: Seitdem ist das Töten von Hauskatzen dort grundsätzlich verboten.
00:28:16: Eine Ausnahme besteht nur, wenn die zuständigen Kreise oder kreisfreien Städte dies zum Schutz der biologischen Vielfalt oder zur Abwehr einer akuten Seuchengefahr für notwendig halten.
00:28:33: Das Verbot führt zu einer starken Belastung von Fundbüros und Tierheimen.
00:28:39: Die Gemeinde Ascheberg lehnte beispielsweise die Aufnahme einer von einem Jäger gebrachten Katze ab, weil sie keine tierschutzgerechte Unterbringung sah.
00:28:50: Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied am vierten August, zwei Tausendsechzehn, dass kommunale Fundbüros solche Tiere dennoch annehmen müssen.
00:29:01: Gemeinden sind somit verpflichtet, für eine tierschutzgerechte Versorgung zu sorgen.
00:29:08: Ähnliche Abschussverbote gelten auch im Saarland und in Baden-Württemberg.
00:29:15: In Gebieten, in denen die geschützte europäische Wildkatze vorkommt, empfehlen die Landesbehörden auf den Abschuss wildfarbener Katzen grundsätzlich zu verzichten.
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